Das Spukhotel im Schwarzwald 1/2

Shownotes

IN DIESER FOLGE ERFÄHRST DU:

• Historisches Grandhotel: Die Waldlust in Freudenstadt als ehemaliger "Weißer Palast" der High Society • Spukphänomene: Fahrende Aufzüge, zersprungene Glühbirnen, kalte Luftzüge und mysteriöse Stimmen • Geistererscheinungen: Begegnungen mit Adele B., dem Bischof und Soldatengeistern aus dem Lazarett • Widerstand gegen Modernisierung: Wie das Hotel seine Seele und Geschichte zu verteidigen scheint • Spurloses Verschwinden: Das mysteriöse Schicksal von Herrn A. • Realität vs. Fiktion: Die Aufklärung über erfundene Charaktere und echte Spukphänomene

NÄCHSTE FOLGE:

**Die Waldlust: das echte Hotel der verlorenen Seelen Fakten, wissenschaftliche Untersuchungen der Spukphänomene und Erlebnisse von Gästen, Mitarbeitern und Ghosthuntern in der Waldlust. Plus: Was heute im Jahr 2025 in dem über 125 Jahre alten Gemäuer passiert.

Weiterführende Links & Infos

Südkurier Hotel Waldlust Freudenstadt im Schwarzwald - Geisterhotel? https://www.suedkurier.de/ueberregional/panorama/Das-ist-das-Geister-Hotel-im-Schwarzwald;art409965,10135759

Geisterjäger: Ghosthunter Explorer-Team https://www.ghosthunter-explorer-team.de/schlosshotel-waldlust-2021-ii/ https://www.ghosthunter-explorer-team.de/schlosshotel-waldlust-2021-ii/

Film [https://youtu.be/CCwH1GiuI-k (ca. 1 h)](https://youtu.be/CCwH1GiuI-k (ca. 1 h))

Wikipedia Hotel Waldlust (Freudenstadt) https://de.wikipedia.org/wiki/HotelWaldlust(Freudenstadt)

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Sonja Wolfer Thriller-Autorin und leidenschaftliche Friedhof-Spaziergängerin https://www.sonjawolferautorin.de Redaktion: Sonja Wolfer Neue Folgen jede Woche dienstags, überall da, wo es Podcasts gibt. Abonniert den Podcast, um keine Folge zu verpassen. Teilt die Folgen mit euren Liebsten und lasst SCHATTENWISPERN eine Bewertung da.

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Sonja Wolfer: Das blasse Antlitz eines ausgemergelten Mannes unbestimmten Alters. In einer blau-grauen französischen Uniform des Zweiten Weltkriegs starte ihn mit leerem Blick an. Diese Geschichte spielt an einem realen Ort in Deutschland Anfang der 2000er Jahre. Und man sagt, dass vieles in der Geschichte, die ich euch heute erzähle, wahr ist. Herzlich willkommen bei Schattenbispern, dem Podcast, der euch in die verborgenen Winkel unserer Welt entführt, wo Spannendes sowie Rätselhaftes auf das Alltägliche trifft und die Grenzen zwischen Realität und Mysterium Manchmal zu verschwimmen scheinen. Ich bin Sonja Wolfer, Thriller-Autorin und leidenschaftliche Friedhofsspaziergängerin. In jeder Episode von Schattenwispern nehme ich euch mit auf eine Reise zu verlassenen Gebäuden mit rätselhafter Vergangenheit, zu Menschen, deren Leben von ungeklärten Erlebnissen geprägt wurde und zu Ereignissen, die sich jeder rationalen Erklärung zu entziehen scheinen. Lehnt euch zurück, schließt die Augen und lasst euch vom Schattenwispern in den Bann ziehen. Das Hotel der verlorenen Seelen Wir schreiben das Jahr 2004. Es ist ein Kühletag im März. Die Eichen und Buchen rund Freudenstadt im Schwarzwald sind noch kahl. Herr A. unterschreibt die Übernahmeunterlagen der Waldlust mit der Überzeugung eines Mannes, der die Zukunft gestalten wird. Das über 120 Jahre alte traditionsreiche Hotel läuft mehr schlecht als recht, die Ausstattung ist hoffnungslos veraltet. Was Freudenstadt braucht, ist Vision und die bringt er mit. Das imposante Gebäude erhebt sich vor ihm wie eine Trutzburg aus vergangener Zeit. Die rötlichen Ziegel der steilen Dächer leuchten matt im fahlen Märzlich , während die hohen schmalen Fenster wie blinde Augen in die nebelverhangene Landschaft starren. Die eleganten Ärker und Balkone zeugen von der Architektur einer Epoche, die Eleganz über Effizienz stellte, ein Luxus, den sich das 21. Jahrhundert nicht mehr leisten kann. Seine Pläne sind radikal. Ein hochmoderner Spa-Bereich in den weitläufigen Kellern, wo jetzt nur merkwürdig muffig riechende Lagerräume in alten Gewölben vor sich hin dämmern. Ein gläsernes Tagungszentrum als Anbau an die historische Fassade. WLAN in jedem der 80 Zimmer. Flachbildschirme statt der schweren antiken Möbel. Eine komplette Erneuerung der Haustechnik. Die Waldlust soll ins 21. Jahrhundert katapultiert werden. Drei Vertreter des Mitarbeiterteams empfangen ihn in der Eingangshalle, wo der massive Kronleuchter mit seinen 13 Armen über schwarze Marmorsäulen wacht. Frau M., die Köchin, arbeitet seit 15 Jahren im Hotel. Herr F., der Hausmeister, kennt jede Schraube, jede Diele des alten Hauses. Die Rezeptionistin Frau L. begrüßt die Gäste noch immer mit der Würde vergangener Zeiten und führt sie selbst durch die hohen gewölbten Räume. Sie alle hängen an der Vergangenheit des einstigen im Jugendstil erbauten Grandhotels. Doch Herr A. ist gekommen, ⁓ diese Vergangenheit endgültig zu begraben. Für die erste Nacht bezieht er Zimmer 434 im vierten Stock. Die breiten Korridore mit ihren roten Teppichläufern führen ihn vorbei an Türen aus dunklem Holz, deren Messingbeschläge von jahrzehntelanger Benutzung glänzen. Herr A. bemerkt auf dem Weg in die erste Etage ein prächtiges Portrait im Treppenhaus. Vor einem Moment verwaltet er vor dem Ölgemälde ohne das nervöse Hüseln der Rezeptionistin in seinem Rücken zu beachten. Adele B., murmelt er, die Messingplakette unter dem goldenen Rahmen studierend. Die legendäre Hotelkönigin, Scham der alten Zeit. Naja, das war einmal. Sein Blick wandert nach oben. Das Porträt zeigt eine elegante jüngere Dame in einem weißen Kleid der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts, die mit einem rätselhaften Lächeln auf ihn herabzuschauen scheint. Als Herr Aasich schließlich von dem faszinierenden und gleichzeitig beklemmenden Blick der weißen Frau trennen kann und sich zu den Stufen umwendet, hat er für den Bruchteil einer Sekunde das Gefühl, die Augen der schönen Frau verfolgen ihn. Während er Frau L. die breite Treppe mit dem kunstvoll gedrechselten Geländer in die vierte Etage des alten Weißen Palastes hinauffolgt. Das Zimmer 434 ist groß, mit hohen Decken und einem Erker, der den traumhaften Blick über die bewaldeten Hügel des Schwarzwaldes freigibt. Das größte verfügbare Zimmer, erklärt die Rezeptionistin, ohne zu erwähnen, dass es jahrzehntelang gemieden wurde. Das Sterbezimmer. Mittlerweile ist es Mitte April. Die wenigen Gäste, die ihre Ostertage in der Waldlust verbracht hatten, sind abgereist. Einige Wanderer sind noch geblieben, um den nahenden Frühling im Schwarzwald auf ihren Touren zu genießen. Das Mitarbeiterteam beobachtet indessen die Pläne ihres neuen Chefs mit wachsender Sorge. Die technischen Zeichnungen, die er in der Bibliothek ausbreitet, zeigen eine Transformation, die das ureigene Wesen der Waldblust zerstören würde. Da sind sie sich sicher. Frau ⁓ wagt als erste, ihre Bedenken zu äußern, während sie in der geräumigen Küche mit großen Pfannen und Töpfen herumhantiert. Das Hotel hat seine eigene Persönlichkeit, Herr A. Die hohen Räume, die alten Holztäfelungen, die Stuckdecken, sie erzählen Geschichten. Manche Dinge sollten bleiben, wie sie sind, wissen Sie? Sentimentalität bringt keine Gewinne, meine Liebe. Erwidert Herr A. und schaut versonnen durch die hohen Fenster auf den Park mit den alten Bäumen. Abgesehen davon bleiben Stuckdecken etc. erhalten, keine Sorge. Der Spa-Bereich aber wird der Schlüssel zum Erfolg. Diese verwinkelten Keller mit ihren Steingewölben sind perfekt für Saunen- und Wellnessbereich. Nein, meinen, Herr A. Frau ⁓ zuckt mit den Schultern, kann ihren besorgten Blick jedoch nicht vor ihm verbergen. Schon in der nächsten Woche geschehen seltsame Dinge. In der Bar mit ihren dunklen Holzpanelen und den schweren Ledersesseln findet der Barista eines Morgens eine halbvolle Bierflasche. Unerklärlich, denn die Flasche ist verschlossen. Sie ist nie geöffnet worden. obwohl die Bar im Vorabend ordnungsgemäß aufgeräumt wurde und niemand sie hat dort stehen lassen. Der Hausmeister wiederum berichtet mehrere Tage danach von nächtlichen Geräuschen aus dem alten Fahrstuhl, der scheinbar ohne Passagiere durch die Stockwerke fährt. Eine Reinigungskraft bestätigt seine Erzählung und berichtet, dass sie gemeinsam mit einem Gast in der vierten Etage im Flur vor dem Aufzug stand, als dieser hielt sich öffnete und den Blick auf die leere Kabine freigab. Die Frau hatte einen Schrei nicht unterdrücken können und dem verwunderten Gast erklären müssen, dass die Türen sich nur durch manuelles Drücken von innen öffnen ließen, sich nicht automatisch öffneten. Doch genau das hatten sie offensichtlich getan. Wie von Geisterhand. Alte Technik, winkt Herr A. ab. und blickt durch die Eingangshalle, als ihm die Rezeptionistin von den Vorfällen berichtet. Es wird alles erneuert. Moderne Aufzüge, LED-Beleuchtung statt dieser schweren Kronleuchter, die mehr Schatten als Licht erzeugen. Frau L. schüttelt unmerklich den Kopf und macht den neuen Chef auf eines der Portraits im Rezeptionsbereich zwischen den Säulen aufmerksam, das einen Geistlichen zeigt. Man munkelt, der Bischof wacht noch immer über das Haus, Herr A., sagt sie mit einem Augenzwinkern, ohne einen ernsten Unterton zu verbergen. Er war Adeles geistlicher Berater, fährt sie fort, und deutet auf das Bildnis eines würdevollen grauhaarigen Mannes mit durchdringenden Augen. Pater Heinrich. Er begleitete sie in ihren letzten Jahren, als sie schwermütig wurde, nach all den Jahren des Krieges, nach ihrem sie stockte gewaltsamen Tod 1949 segnete er das Hotel, sagt man, es vor einem Fluch zu schützen. Gewaltsamer Tod, Fluch, Spuk, Humbug! Herr A betrachtet das Portrait zwischen den verzierten Säulen, wo das flackernde Licht der alten Glühbirnen des 13-armigen Kronleuchters Schatten über das gemalte Gesicht tanzen lässt. Gerüchte und Aberglauben. Die Bilder kommen weg. Sobald die Renovierung beginnt, diese düsteren Gänge brauchen mehr Licht, moderne Kunst. Kopfschüttelnd verschwindet A. in seinem Büro, ohne den sorgevollen Blick der Rezeptionistin oder das Verziehen der bischöflichen Mundwinkel zu bemerken. Die Sorge der Rezeptionistin und ihrer Kolleginnen und Kollegen jedoch scheint berechtigt. Gäste beschweren sich über kalte Luftzüge in den hohen Zimmern, obwohl die alten Heizkörper auf Hochtouren laufen. Glühbirnen zerspringen häufiger dann, wenn Herr A sich wieder einmal über radikale Änderungen ausgelassen hat. Der alte Fahrstuhl bleibt gelegentlich zwischen den Stockwerken stehen. Einige Minuten. So als würde er wartend in der Schwebe verharren. Die Köchin Frau ⁓ bemerkt die Veränderungen an den Porträts zuerst, während sie durch die langen Korridore mit ihren gewölbten Decken geht. Sie beobachten alles, flüstert sie dem Hausmeister zu. Adeles Augen folgen Herrn A. und der Bischof. Manchmal lächelt er, manchmal wirkt sein Blick betrückt. Der gute A. sollte sich mal angewöhnen, die Adi zu begrüßen. und den Bischof ab und an eine Streichleinheit zu kommen zu lassen. Er schmunzelt, als er das sagt. Doch die Köchin weiß, dass der Hausmeister es ernst meint. Sie alle wissen, dass man die Adi und den Bischof nicht ignorieren sollte. Wieder nur wenige Wochen später geschieht, was Herr A unbedingt vermeiden will. Die ersten Gäste reisen vorzeitig ab. Ein Geschäftsmann aus München erzählt von Stimmen in seinem Zimmer, als er die schweren Vorhänge vor den hohen Fenstern zurückziehen will. Es war die brüchige Stimme einer betagten Frau, die eine alte Melodie gesummt hat, behauptet er steif und fest. Ich bin weiß Gott nicht abergläubisch, aber außer mir war sonst niemand im Zimmer. Eine Familie aus Hamburg wiederum flüchtet nach nur einer Nacht. Nachdem ihr Kleinkind behauptet hat, eine nette Dame in einem komischen alten weißen Kleid habe ihm in dem großen Zimmer mit dem Erker gute Nachtgeschichten erzählt. Einbildung beharrt A., während er in seinem Büro mit Blick auf die Terrassen steht. Sobald die Modernisierung abgeschlossen ist, werden solche Probleme verschwinden. Diese alten Räume mit ihren knarrenden Dielen und den Schatten in den Ecken verunsichern die Gäste. Doch in den stillen Momenten, wenn er allein durch die stuckverzierten Korridore wandelt, vorbei an den Nischen mit ihren Porträts und den hohen Fenstern, die das Mondlicht in silbrige Muster auf die Teppiche werfen, spürt er es. Eine Präsenz, die seine Schritte verfolgt, die jeden seiner Pläne zu überwachen scheint. Eines Nachts im Mai, als Herr A. in seinem Büro über den Bauplänen brütet und das schwache Licht der Schreibtischlampe die hohen Wände nur spärlich erhält, hört er Schritte im Treppenhaus. Es ist das Klappern von Stöckelschuhen auf den breiten Stufen. Kalt läuft es ihm den Rücken herunter. Was er da wahrnimmt, kann nicht sein. Ein Teppich schluckt jedes Geräusch auf den Stufen. Selbst hohe Absätze könnten niemals dieses klackende Geräusch verursachen, das sich nun unaufhaltsam nähert. Als er die schwere Bürotur aufzieht und in den Korridor tritt, steht sie dort. Lebendiger als Farbe auf Leinwand sie je hätte darstellen können. Sie trägt das weiße Kleid. Ihr Haar ist zu einer charakteristischen Frisur der Zwanzigerjahre arrangiert. Im schwachen Licht der Wandleuchter wirkt sie nahezu majestätisch. Zeitlos. Eine Königin. Ihre Augen aber gleichen nicht den warmen, braunen Augen des Gemäldes. Dunkel, fast schwarz wie die Schatten in den Nischen des alten weißen Palastes blickt sie ihn an. Sie lieben die Veränderung, sagt Adele B. mit einer Stimme, die aus weiter Ferne zu kommen scheint, während sie durch die hohen Bogenfenster in die nebelverhangene Nacht blickt. Radikale Veränderung, wie mir zugetragen wurde, Herr A. startet die Erscheinung an, unfähig auch nur ein Wort herauszubringen. Das flackernde Licht des Kronleuchters lässt die Schatten an den prunkvoll verzierten Wänden einen immer wilder werdenden Tanz aufführen. Dieses Hotel hat eine Seele, Herr A., eine Geschichte, die in jedem Stein jeder Diele lebt. Sie können sie nicht einfach wegmodernisieren. Die weiße Frau geht zum Fenster. Herrn A.s Fingerknöchel Schmerzen so fest, ballen sich seine Hände zur Faust, als er bemerkt, dass ihre Gestalt keinen Schatten auf die Marmorsäulen wirft. Wissen Sie, Herr A., Fürsten, Sultane, ja sogar Könige, der gesamte Hochadel ging in unserem Hotel ein und aus. 1926 residierte sogar König Gustav V. von Schweden hier. Wussten Sie das? In den 1930er Jahren genossen weltbekannte Filmstars wie Douglas Fairbanks und Mary Pickford die Sommerfrische in unserem Haus. Die Waldlust war eines der Häuser der High Society. Sie wendet sich ⁓ und die schwarzen Augen bohren sich in seine. Mit Tanzveranstaltungen und Kongressen habe ich die illustre Gesellschaft in die Waldlust gelockt, Herr A. bis zu jenem unzähligen zweiten großen Krieg. Sie breitet die Arme aus, her, in dieses alte Gemäuer voller Geschichten, Geschichten unzähliger Seelen. Sie lässt die Arme langsam sinken. Ja, leider haben einige dieser Seelen hier ihr Leben ausgehaucht. So war das eben im Krieg. Langsam neigt sie ihr Haupt, ihre Stimme nur mehr ein Wispern. Auch ich musste irgendwann gehen. Im Jahr 1949 war es. Ein rätselhaftes Lächeln umspielt die schmalen Lippen. Man munkelt von Mord. Sie kennen die Gerüchte, vermute ich. Die Wahrheit? Sie winkt ab. Nun, was spielt das für eine Rolle? Ich bin hier. Herrn A. stockt der Atem, als sich die weiße Gestalt auf ihn zubewegt, die schwarzen Augen fest auf ihn gerichtet. Ich bin hier. Der Mann weicht zurück. Nicht wahr, Herr A.? Der Hotelbesitzer presst die Lippen aufeinander und schließt die Augen. Was für ein Alptraum! Als er sie im nächsten Moment wieder aufreißt, ist sie verschwunden. Nur der Duft von Rosen und etwas anderem, etwas unangenehm Süßlichem hängt in der Luft. Von dieser Nacht an ändert sich die Qualität der unheimlichen Phänomene. Was mit zugegebenermaßen merkwürdigen Störungen begonnen hat, entwickelt sich zu gezielten Angriffen. Herrn A.s Computer stürzt ab, wann immer er die Modernisierungspläne öffnet. Baupläne verschwinden und tauchend zerknittert an unmöglichen Orten wieder auf. Einmal im Fahrstuhl, zwischen die Messing-Reling geklemmt, einmal im Kühlschrank der Bar zwischen den Flaschen. Die Atmosphäre im Hotel, wird drückender. Die hohen Räume mit ihren prunkvollen Stuckdecken scheinen das angstvolle Tuscheln von Gästen und Personal zu verstärken. Die Rezeptionistin berichtet von Anrufen aus leeren verschlossenen Zimmern, bei denen nur das Rauschen alter Leitungen zu hören ist, und man wiederholt den Hörer neben dem Apparat liegend vorfindet. Der Hausmeister entdeckt offene Türen der historischen Zimmer, die er am Abend verschlossen hatte. Frau ⁓ sowie diverse Gäste nehmen vorbeihuschende Schatten unter Türspalten wahr. In Zimmern, in denen niemand wohnte. Es wird schlimmer, warnt der Hausmeister den Chef, während er erneut die dreizehnte Glühbirne im Kronleuchter in der großen Eingangshalle wechselt. Das Hotel wehrt sich gegen ihre Pläne, glauben Sie mir. Es gefällt ihm nicht, was Sie da alles vorhaben. Unsinn, beharrt Herr A., seine Stimme halt seltsam wieder. Es sind nur Fantasieprodukte. Seine nächtliche Begegnung mit der Hotelkönigin erwähnt er wohlweislich nicht. Eines Nachts wandelt er nach zwei schlaflosen Stunden im Bett durch die Gänge, mit ihren roten Teppichläufern auf der Suche nach Antworten. Die tiefbraunen Augen der Adele B. scheinen ihn nicht aus dem Blick zu lassen, während er das Porträt passiert und lautlos die Stufen hinab zum Bereich der Rezeption steigt. Dort erwartet ihn das Bild des Bischofs. Das faltige Gesicht scheint seinen Ausdruck zwischen Güte und Warnung zu wechseln, je nach Spiel von Licht und Schatten. Herr A. schüttelt sich. Was für ein verdammter Blödsinn! Wie konnte er sich nur von dem ganzen Gerede die Waldkönigin oder Königin Mutter, wie sie albernerweise auch genannt worden war, so durcheinander bringen lassen? Widerwillig fährt er sich mit der Hand durchs Haar und beschließt, sich an der Bar einen Drink zu genehmigen. Bitte sehr Chef, einen Moskau Mule. Der Barkeeper stellt ihm den mit einem extra großen Schluck Wodka gemischten Drink auf die Theke. Zum Wohl, sagt der erst kürzlich eingestellte Mitarbeiter mit einem breiten Grinsen. Wenigstens einer, der sich nicht von dem ganzen beeindrucken lässt. Herr A. greift nach dem Kupferbecher, führt ihn an den Mund und seine Bewegung friert ein. Der große Spiegel hinter der Bar Reflektiert nicht nur sein eigenes Gesicht und den Hinterkopf sowie Rücken des Barkeepters. Das blasse Antlitz eines ausgemergelten Mannes unbestimmten Alters in einer blau-grauen französischen Uniform des Zweiten Weltkriegs starte ihn mit leerem Blick an. Es ist März 2005. Herr A. beschließt, ein Fest zu veranstalten, ein Event, das die neue Ausrichtung der Waldlust endgültig demonstrieren und die alten Geister vertreiben soll. Die Einladungen sind verschickt, das Personal instruiert. Die neue Waldlust soll ihre ganze Pracht in modernisierten historischen Räumen entfalten. Der Abend beginnt vielversprechend. Die Eingangshalle ist festlich dekoriert, täuschend echt aussehende, künstlich flackernde Kerzen in den hohen Wandleuchtern werfen tanzende Schatten zwischen die Säulen. Die ersten Gäste treffen ein. Distinguierte Herr und Damschaften, die die Atmosphäre der gewölbten Räume und der kunstvollen Decken in neuem Glanz loben. Herr A. steht an der neu errichteten Theke im Ballsaal und überwacht das Geschehen. als zwei Gäste das Gespräch mit ihm suchen. Ein älterer Herr nähert sich mit einer schwarzhaarigen Dame am Eine wundervolle Veranstaltung, sagt der Mann mit kultivierter Stimme, während er durch die hohen Fenster in die neblige Nacht blickt. Erinnert er an die alten Zeiten nicht wahr, Liebes? An Adis Tanzveranstaltungen in diesem prächtigen Ballsaal. Die Frau nickt lächelnd, ihr Schmuck funkelt im Schein der Kronleuchter. ⁓ ja, legendär! Herr A freut sich über das Lob. Wundert sich gleichzeitig über ihre seltsam leise Stimme, als würde das hohe Gewölbe sie verschlucken. Sie kennen das Hotel schon länger? ⁓ sehr lange, antwortet der Mann und lässt seinen Blick über die dunklen Holztäfelung schweifen. Wir sind sozusagen Stammgäste. Wie schön, dass Sie die Waldlust wieder beehren, erwidert Herr A. Unauffällig lässt er seinen Blick über das Paar gleiten das an seinen Champagner-Kelchen nippend, den Blick durch den Ballsaal wandern lässt. Der Mann trägt einen eleganten Anzug aus grauem Tweet mit einem Fischgrätmuster. Die passende Hose, die Weste und das Jackett mit breiten Schultern sowie Hemd mit der Fliege ergänzen wunderbar das strahlende 30er-Jahre-Outfit seiner Partnerin, die ein bodenlanges Kleid mit freiem Rücken trägt, der von einer weißen Perlenkette wunderbar zur Geltung gebracht wird. Ihr Auftreten wirkt so authentisch, als wären sie aus einem der alten Portraits in den Nischen gestiegen. Herr A. ist begeistert. Von wegen Modernisierung würde das alte Bewahrenswerte zerstören. Das Gegenteil ist der Fall. Alt und neu, das Konservative und das Moderne fügen sich wunderbar zusammen. Die Dame tritt geräuschlos näher an Herrn A. heran und legt ihm ihre behandschute Hand auf den Arm. Im flackernden Kerzenlicht wirkte ihr Gesicht fahl, bildet einen seltsamen Kontrast zu ihrer perfekten Kleidung. Diese alten Mauern haben so viel gesehen, so viele Geschichten gesammelt. Faszinierende Vorstellung, wenn sie sie erzählen könnten, nicht wahr? Herr A. spürt, wie sie seine Nackenhaare aufstellen. Die Luft ihn wird kälter und er bemerkt, dass einige der anderen Gäste sich seltsam verhalten. Sie schielen zu ihm herüber, als fragten sie sich, wer dieses außergewöhnliche Paar ist, mit dem er da spricht. Entschuldigen Sie, wie haben Sie gesagt, heißen Sie? Der ältere Herr verbeugt sich leicht, seine Bewegung wirkt förmlich, nahezu zeremoniell. Verzeihen Sie, wir haben uns noch gar nicht vorgestellt. Graf von Steinberg, meine Frau, Gräfin von Steinberg, wir haben hier in der Waldlust unsere Flitterwochen verbracht. Zu einer Zeit, zu der hier noch keine Soldatenleichen im Keller gekühlt werden mussten. Ich verstehe nicht. War der Alte noch bei Sinnen? Fragen schaut Herr A. dessen Gattin an. Die Gräfin scheint seine Irritation nicht zu bemerken und lächelt. In ihrem Lächeln liegt jedoch eine unsagbare Trauer. Mein Gatte spricht von den armen Soldaten, die hier in der Waldlust zu Zeiten des Lazaretts im unzähligen Zweiten Großen Krieg verstorben sind. Sie wissen sicher davon. Man lagerte ihre armen Körper in den kühlen Kellergewölben, weil man nicht wusste, wohin mit ihnen. Traurig, nicht wahr? Ihr Gesicht wirkt im Kerzenlich durchscheint. Aber, stottert A. das ist ewig her. Ich meine, das war, das kann doch nicht sein. Sie... Hier in der Waldlust ist nichts ewig her, hier vergeht nichts. Dieses wunderbare Gemäuer vergisst nicht, es bewahrt. Gutes wie Böses, A. Um Herrn A wird die Luft eisig kalt. Die Schatten zwischen den Säulen zucken, bewegen sich viel schneller als die Bewegungen der künstlichen Flammen, der unzähligen Kerzen es verursachen könnten. Im nächsten Moment bemerkt er, dass die übrigen Gäste ihre Gespräche eingestellt haben und ihn ausnahmslos mit großen Augen ansehen. In ihren entsetzten Blicken spiegelt sich, welches Schauspiel sich ihnen bietet. Ihr Gastgeber weicht vor etwas zurück, das keiner außer ihm sehen kann. Wir sind hier, wispert die Gräfin. Die, die das Hotel geliebt haben, Die, die es nie verlassen haben. Ihre Gestalt beginnt zu verblassen, wird zu einem wispernden Schatten zwischen den Säulen. Auch manch eine arme Soldatenseele, die hier im Lazarett ihren letzten Atemzug gemacht hat, weilt noch unter uns. Aber trösten Sie sich. Sie dürfen bleiben, Herr A. Auch Sie dürfen ein Teil von der Waldlust sein. Was reden Sie da? Stammelt Herr A. und starrt mit weit aufgerissenen ins Nichts. Die Wochen nach jenem ereignisreichen Fest vergehen wie in einem grauen Nebel. Die wenigen verbliebenen Gäste der Waldlust im schönen Schwarzwald reisen ab. Neue Buchungen bleiben aus. Gerüchte über den seltsamen Vorfall von einem offenbar übergeschnappten Hotelbesitzer haben sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Der Ruf vom Spukhotel im Schwarzwald scheint seine letzte Bestätigung erhalten zu haben. Das Personal ist nervös. Man fürchtet seine Stelle. Wenn das so weitergeht, dann kann die Waldlust in naher Zukunft für immer die Tore schließen. Die 120-jährige Tradition des ehemals weißen Palastes mitten im Schwarzwald könnte schon bald für immer Geschichte sein. Doch das ist nur eines der Dinge, die die Menschen in der Waldlust umtreibt. Der einstmals so modernisierungswütige Chef Herr A. ist verschwunden. Spurlos. Das alte Gemäuer scheint den Hotelbesitzer verschluckt zu haben. Am 15. März 2005 findet die Rezeptionistin das Zimmer 434, das einstige Sterbezimmer der Adi B. leer vor. Das große Bett mit dem Blick durch den Erker ist unberührt. Die Koffer auf dem alten Eichenschrank sowie der Wagen von Herrn A. auf dem Parkplatz sind jedoch noch da. Keine Nachricht von ihm. Nichts. Die Polizei sucht wochenlang nach ihm. Sie durchkämmt die weitläufigen Keller mit ihren Steingewölben, die hohen Dachböden unter den steilen Ziegeldächern, jeden Winkel der unzähligen Räume. Keine Spur, kein Hinweis. Weder in dem Gemäuer noch auf dem Gelände des alten Hotels. Herr A. bleibt verschwunden, als hätte ihn die Waldlust verschluckt. Im Treppenhaus zwischen Erdgeschoss und erster Etage jedoch entdeckt die Köchin Frau ⁓ ein neues Porträt. Es hängt in unmittelbarer Nachbarschaft des Porträts der Adi B. mit Blick auf die Rezeption, wo der Bischof Wache hält. Frau M.s Mund öffnet sich zu einem schrillen Schrei. Als die Rezeptionistin die Stufen hinauf zu ihr ereilt, deutet die Köchin mit zitterndem Finger auf das neue Ölgemälde. Herr A. blickt die beiden Frauen in seinen dunklen Festanzug gekleidet aus schwarzen Augen an. Ein schwermütiges Lächeln auf den Lippen. Die Rezeptionistin wird Kreide bleich und schlägt die Hand vor den Mund. Dann irrt ihr Blick unter das Gemälde, unter dessen verschnörkeltem Rahmen eine Messingplakette mit Gravur befestigt ist. Herr A. Hotelbesitzer 2004 bis 2005 In ewiger Verbundenheit mit der Waldlust. Die Waldlust, das einzige Grand Hotel der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, gibt es tatsächlich in Freudenstadt im Schwarzwald. Ein leerer fahrender Fahrstuhl, klirrende Gläser, Schritte in leeren Stockwerken und Zimmern, Babyweinen, obwohl kein Gast mit Kind da ist, das und mehr Gruseliges soll es tatsächlich geben in der Waldlust. Und auch von Adele B. oder Adi, wohl die bekannteste Hotelbesitzerin des Hotels Waldlust, lesen und hören wir in zahlreichen Quellen, in Zeitungsartikeln, in Blogbeiträgen und TV-Dokumentationen über jenes beeindruckende und spannende Hotel, den einstigen Weißen Palast. Kopien der Portraits der Adi B. sowie des Bischofs könnt Ihr tatsächlich noch heute in der Waldlust bewundern. Doch, Adele B. hat es genauso wenig gegeben wie Herrn A. Während ich mir Herrn A. ausgedacht habe, haben Wissenschaftler eines ganz besonderen Instituts in Freiburg sich den Namen Adele B. Adi B. ausgedacht, was leider vielen Menschen, auch Journalisten, tatsächlich entgangen ist. Warum diese Forscher es getan haben, was sie in die Waldlust verschlagen hat und was sie dort mit Ghosthuntern zu tun hatten, Das erfahrt Ihr in der nächsten Folge kommenden Dienstag schon. Dann kommen knallharte Fakten, eine Menge spannender Vermutungen, Erlebnisse von Menschen, die in jenem wunderschönen Jugendstilhotel im Schwarzwald gearbeitet oder ihren Urlaub dort verbracht haben oder dort auf Geisterjagd gegangen sind. Außerdem erzähle ich Euch, was heute im Jahr 2025 in diesem mehr als 120 Jahre alten Gemäuer passiert. Denn das Hotel der einstigen Waldkönigin lässt die Menschen auch in der Gegenwart nicht los. Das echte Hotel der verlorenen Seelen. Nächste Woche, wenn es wieder heißt. Schattenwispern. Falls auch ihr Geschichten habt, die im Verborgenen wispern, schreibt mir. Wenn euch diese Episode gefallen hat, lasst gerne einen Like da, schreibt einen Kommentar. und abonniert Schattenwispern auf eurer Lieblingspodcastplattform und auf Instagram. Bis zur nächsten Episode haltet die Ohren offen für das leise Wispern euch herum. Ich bin Sonja Wolfer und das war Schattenwispern. Auf bald dort, wo sich Realität und das Geheimnisvolle begegnen.

Sonja Wolfer: Und was macht das Transkript aus meinem Text? Distinguierte Herrschaften und Darmschaften. Was auch immer Darmschaften sind. Ich weiß es nicht.

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